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WER WEISS, WOHIN?

Der neue Film von Nadine Labaki ("CARAMEL")


Regie: Nadine Labaki
Darsteller: Claude Msawbaa; Leyla Fouad; Nadine Labaki

102 Minuten | ab 12
383. Woche

Komödie zwischen Pathos und Poesie über männlich geführte irrsinnige Religionskriege und weibliche Lösungen des Konflikts.

Ein Hauch von arabischem Frühling als Feelgood-Movie. Ganz ohne Straßenschlachten und abgesetzte Diktatoren, nicht in den Metropolen Nordafrikas, sondern in einem staubigen Bergdorf im Nirgendwo. Dieses augenzwinkernde Kunststück gelingt Nadine Labaki in ihrem zweiten Spielfilm nach Caramel. Die fesselnde erste Einstellung zeigt schwarz gekleidete Frauen mit Fotos ihrer Männer, Söhne oder Brüder in einer unwirtlichen Gegend, tanzend nähern sie sich einem Friedhof, wo sich ihre Wege trennen, die einen gehen zum christlichen, die anderen zum muslimischen Teil. Trotz unterschiedlichen Glaubens eint sie der Wille, dem sinnlosen Sterben Einhalt zu gebieten. Zwar ahnt man, dass es sich bei der unbenannten Region am Ende eines Krieges um den Libanon handelt, aber Labaki nennt ihr Heimatland nicht explizit, weil der Krieg zwischen den Religionen etwas Universelles ist. Obgleich die Menschen harmonisch zusammen leben, sich im gleichen Geschäft und Café treffen, kann der Konflikt wegen einer Nichtigkeit jeden Moment wieder aufbrechen. Als im Land die Spannungen zwischen den Religionsgruppen wachsen und die Männer des Dorfes zu neuen gewalttätigen Auseinandersetzungen bereit sind, versuchen die Frauen mit unorthodoxen Methoden, ein neues Blutvergießen zu verhindern: So zerstören sie die Lautsprecher des Dorffernsehers, damit die Kerle keine aufputschenden Nachrichten hören, und werfen ihr Geld zusammen, damit ukrainische Stripperinnen "ganz zufällig" nach einer Buspanne einige Tage die Herren der Schöpfung ablenken.


Nadine Labaki, die selbst eine der Hauptrollen übernimmt, setzt auf die Logik und Kraft der Frauen und einen opulenten Genremix vom Musical über Drama und Tragödie bis hin zur Komödie. Zur Authentizität tragen nicht nur die überzeugenden Laiendarsteller, sondern auch die Originalschauplätze bei, an denen Moschee und Kirche wie in der Geschichte nebeneinander stehen. Labakis Botschaft ist klar: Frieden ist möglich.


Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis des Toronto International Film Festival 2011!



ab 22.03.2012