UNSER LEBEN


Regie: Martha Holmes, Michael Gunton
85 Minuten | ab 0
384. Woche
Von Kenia über Japan,nach Brasilien, weiter in den Kongo, dann nach Amerika, in die Arktis und noch mal nach Afrika. Eine Weddellrobbe, Schneeaffen, ein Silberrücken-Gorilla, ein Lämmergeier, Geparden, eine Kiesel-Kröte und vieles mehr. Jagen, rennen, springen, fressen, paaren – dramatische Situationen noch und noch. Kaum mehr als drei, vier Minuten hält es die BBC-Dokumentation „Unser Leben“ an einem Ort, dann rast sie weiter ins nächste Land, zu der nächsten Tierart, dem nächsten, möglichst noch spektakuläreren Ereignis. Es ist ein Film wie geschaffen für eine Generation von aufmerksamkeitsgestörten Kindern, die immer wieder mit Neuem bespaßt werden müssen. Tiefergehende Informationen sind da natürlich nicht zu erwarten, der rote Faden des Films ist also zwangsläufig mehr als dünn. Ums Leben auf unserer Erde soll es gehen, von der Geburt, übers Aufwachsen, das Erlernen der wichtigsten Überlebenstechniken bis hin zum Gründen einer Familie. Besonders bei diesem Aspekt führt die Vermenschlichung der Tierwelt zu einigen Absurditäten: Ein Käferweibchen, das Kaulquappen in kleine Wassertümpel ablegt, wird da allen Ernstes als allein erziehende Mutter bezeichnet, die ihre Kinder im Kindergarten abgibt. Von den faszinierenden, außerordentlich lehrreichen Fernsehserien, die die BBC seit Jahren mit großem Erfolg produziert, ist dieser Film also weit entfernt. Was nicht zuletzt daran liegt, dass nicht der weise, alte David Attenborough seine sanfte Erzählerstimme zur Verfügung stellt, sondern mit Daniel Craig James Bond – bzw. dessen deutsche Stimme – persönlich den Kommentar spricht, der dementsprechend dramatisch daherkommt. Trotz der sehr kurzen Laufzeit von kaum mehr als 80 Minuten stellt sich bald eine gewisse Ermüdung ein, was angesichts eines atemlosen Rasen von Höhepunkt zu Höhepunkt kaum verwundert – und umso bedauernswerter ist, als die einzelnen Segmente größtenteils von atemberaubender Qualität sind. Einmal mehr ist es den zahlreichen Kamerateams der BBC gelungen, sensationelle Bilder vom Verhalten der Tiere einzufangen. Was dadurch noch bemerkenswerter wird, als es sich teilweise nicht um große, gut sichtbare Primaten handelt, die sich auch noch angenehm langsam bewegen wie etwa Elefanten, sondern um rasend schnelle Wüstenmäuse oder winzige Insekten, die sich teils auch noch in den Kronen der Bäume aufhalten. Von solchen Wesen gestochen scharfe Bilder aus unterschiedlichsten Perspektiven einzufangen ist eine erstaunliche Leistung. Und allein wegen dieser spektakulären Bilder lohnt sich „Unser Leben“ schließlich doch. Nicht nur, dass es für einen normalen Reisenden kaum möglich ist, in die abgelegenen Regionen vorzudringen, die hier gezeigt werden, auch die Geduld, tage- oder gar wochenlang vor Ort zu warten, bis die Tiere sich endlich zeigen, hat kaum jemand. Insofern sollte man „Unser Leben“ wohl als Appetitanreger für die Fernsehserie sehen, die in ihren zehn Teilen weit über den bloßen Zusammenschnitt von Highlights, wie ihn diese Filmversion zeigt, hinausgeht.


ab 15.03.2012