SOMMER AUF DEM LAND


Regie: Radoslaw Wegrzyn
Darsteller: Zbigniew Zamachowski, Agata Buzek, Antoni Pawlicki

93 Minuten | ab 12
388. Woche
Skurrile Posse über Liebe, Leben und Loslassen in der Tradition des osteuropäischen Films à la Emir Kusturica. Trauerarbeit mal ganz anders: Der Tod seiner Frau wirft den international gefeierter Konzertpianisten Bogdan aus der Bahn, er will nur noch weg von der großen Bühne und dem großen Erfolg und verkriecht sich auf dem Bauernhof seiner Mutter, in den kleinen Ort an der Ostsee, wo er schon als Kind der später Auserwählten ewige Liebe schwor. Erst ertränkt er seinen Kummer im Suff, dann in der Renovierung des vor sich hinbröselnden Hofes und der harten Stallarbeit. Und im Heu glaubt er in einer musikalischen Milchkuh, die unter den Opernarien seiner Gattin die schmackhafteste Milch gibt, die Verstorbene zu erkennen. Bald stehen die Dorfbewohner für das in jeder Hinsicht stimulierende Getränk Schlange und er teilt mit dem Rindvieh Tisch und Wohnzimmer, bummelt auch schon mal ganz entspannt mit ihm am Strand entlang. Die seltsame Beziehung macht nicht nur seine pragmatische Mutter fassungslos, sondern auch seine trinkfesten Freunde, den Pfarrer und die aus der Großstadt heran geeilte Tochter. Regisseur Radek Wegrzyn kommt zwar wie seine Hauptdarsteller aus Polen, orientiert sich aber stark am handfesten und nicht selten derben Humor des aus Bosnien stammenden Emir Kusturica. Der Abschlussfilm an der HFF Konrad Wolf Potsdam-Babelsberg verbindet Schwere und Leichtigkeit des Seins zu einer Ode an das Leben, bei der es streckenweise ziemlich turbulent und nicht gerade feinsinnig zugeht, ob nun der Pfarrer eine Teufelsaustreibung bei der Kuh versucht, beim Dorffest Alkoholkonsum und menschliches Zueinander neue Höhen erklimmen oder die aphrodisische Wirkung der Milch zu Kapriolen führt. Komik, Tragik und Warmherzigkeit sind die Säulen dieser nett inszenierten, aber nicht gerade nachhaltigen Burleske, die immerhin mit einem unkonventionellen Rezept zur Überwindung von Schmerz und Trauer aufwartet.


ab 16.02.2012