SHAME


Regie: Steve McQueen
Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale

101 Minuten | ab 16
377. Woche

In seiner eindringlichen Psychostudie Shame über Beziehungsunfähigkeit und Einsamkeit zeigt Videokünstler Steve McQueen beunruhigend, wie sich ein Mensch, gefangen in seiner Sexualität, haltlos verliert.

Brillant verkörpert der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender (Fish Tank, Jane Eyre, Eine dunkle Begierde) dabei einen New Yorker Großstadthelden, der ständig nach der schnellen Befriedigung giert. Nicht umsonst wurde der 34jährige Charakterdarsteller mit der nonchalanten Ausstrahlung eines Gentlemans dafür auf dem Filmfest Venedig mit der Coppa Volpi als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet und als Oscar-Kandidat gehandelt. Der von Fassbender verkörperte Brandon wirkt nach außen hin erfolgreich. Willkürlich verführt der attraktive New Yorker Yuppie wahllos Frauen. Da er keine emotionale Nähe aushält, flüchtet er in schnellen Sex mit Unbekannten, kauft sich Prostituierte und konsumiert Internetpornos. Um seine Sucht loszuwerden joggt der einsame Midnight Cowboy verzweifelt durch die nächtliche Stadt. Vergeblich. Seine harten Wutausbrüche richten sich vor allem gegen seine jüngere Schwester, die sich bei ihm einquartiert. Er hasst es, dass sie ihre Schwächen zeigt, und glaubt an ihrer Zuneigung zu ersticken. Als sie in einer Bar eine traumhaft traurige Version von „New York, New York“ singt, durchbricht sie für einen Moment Brandons emotionalen Panzer.

Regisseur Steve McQueen zeigt in Shame alles, ohne es je voyeuristisch auszustellen. Seine kühlen Bilder eines leeren, gefühlskalten Lebens verraten seine große Stilsicherheit. Sein Faible für lange Einstellungen in Schlüsselszenen zahlt sich nach seinem Debüt Hunger einmal mehr aus. Eine selten intime Dialogszene zwischen Bruder und Schwester wirkt fast wie sein Kommentar zur sexualisierten Gesellschaft, der die transzendierende Kraft fehlt. Übrig bleibt das wahnsinnig-verzweifelte Suchen nach dem Körper, dem eigenen und dem des anderen, in einer fremd gewordenen Welt. Ein Abgesang auf die moderne Gesellschaft, der an Bertoluccis Kult-Klassiker "Der letzte Tango" erinnert.


„Eine eindringliche Studie über Einsamkeit und Verzweiflung!“ NEUE ZÜRCHER ZEITUNG

„Ein finsterer, großartiger Film über einen Sex-Maniac!“ SPIEGEL ONLINE



ab 01.03.2012