CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE

Filme im Original!


Regie: Paolo Sorrentino
Darsteller: Sean Penn, Frances McDormand, Harry Dean Stanton, Eve Hewson, Judd Hirsch, Heinz Lieven, Kerry Condon, David Byrne

118 Minuten | ab 12
378. Woche
Unter Hollywoods linken Galionsfiguren ist Sean Penn das Gegenteil von George Clooney, der seine politische Gesinnung mit mondäner Eleganz bekleidet. Der Sohn eines Regisseurs und einer Bühnenschauspielerin ist kein geschliffener Ironiker. Öffentliche Auftritte absolviert der zweifache Oscar-Preisträger nicht selten mit dem Missmut eines Outlaws. Der Rebell des amerikanischen Kinos war stets einer, der sich nicht vereinnahmen lassen wollte. Nicht von der Oberflächlichkeit eines Lebens als Hollywood-Star, nicht von den Vorgaben der großen Studios, nicht von einer amerikanischen Regierung. Immer wieder suchte sich der 50jährige Filme aus, in denen er nach allen Regeln des Method-Actings eine geradezu verbissene Zerquältheit aufbauen kann. Dabei wirkt der widerspenstige Star freilich manchmal penetrant irritierend, wenn er sich an den inneren Kämpfen seiner Figuren abarbeitet. Und trotzdem ist er brillant. So auch als alternder Rockstar Cheyenne im Ruhestand, antrieblos, schrullig von Drogen gezeichnet, liebevoll und puppenhaft in seinem Gothik Look. Scheinbar naiv und gleichzeitig von hoher Intelligenz. Dabei wirkt er wie das Fossil einer Jugendkultur, das rein äußerlich an den legendären Sänger Robert Smith der New Wave Band „The Cure“ erinnert. Um seine Langeweile zu vertreiben, kümmert sich der desillusionierte Punksänger nach seinem Ausstieg aus dem Musikgeschäft vor allem um seine Aktien. Erst die Nachricht, dass sein jüdischer Vater im Sterben liegt rüttelt in auf. Erschüttert reist er von Dublin nach New York. Doch er kommt zu spät. Sein Vater ist bereits tot. Obwohl er ihm scheinbar nie nahe stand, beschließt er, dessen Lebenswerk zu Ende zu führen. Er will seinen Peiniger finden, den alten KZ-Wärter und SS-Schergen Alois Lange (Heinz Lieven) aus Auschwitz, der sich in die USA abgesetzt hat. Und so beginnt Cheyenne im Hinterland Amerikas seinen eigenen Rachefeldzug. Der erste englischsprachige Film des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino scheint zunächst eine künstlerische Katastrophe mit moralischem Anspruch. Doch dieser vorschnelle Eindruck täuscht. Sein Drama über Söhne, die ihren Frieden mit ihren Vätern machen wollen, berührt am Ende umso nachhaltiger. In seinem klassischen Roadmovie stehen die Panoramen in einem fesselnden Spannungsverhältnis zur Figur: Vom Grün der irischen Wahlheimat zum Gold der amerikanischen Prärie bis zum Weiß der Schneelandschaft im Schlussakkord. Gleichzeitig spiegelt der Soundtrack von „Talking Head“ Sänger David Byrne die unendlichen Weiten des Landes und die tragische Nostalgie des Rockstars und melancholischen Drifters perfekt wider. Wie einst Ry Cooders minimalistische Gitarrenklänge die Romantik der Entfremdung in Wenders Klassiker „Paris, Texas“ beschwor, veredelt seine Musik Sean Penns Odyssee durch Amerika.


ab 23.02.2012