OmU

AN DEN RÄNDERN DER WELT

Vorstellungen im mehrsprachigen Original mit Untertiteln


Regie: Thomas Tielsch
Darsteller: Dokumentarfilm

90 Minuten | Deutschland 2018 | ab 0
4. Woche
Markus Mauthe wurde vor allem als abenteuerlustiger Naturfotograf durch seine Vorträge bekannt. Dies ist der erste Kino-Dokumentarfilm, an dem er mitgewirkt hat, und eines der ersten Projekte, in dem er Menschen porträtiert. Vor allem wird Markus Mauthe dabei von dem Ziel geleitet, auf würdevolle Art Menschen darzustellen, die unter extremen Bedingungen leben. Dafür scheut der leidenschaftliche Umweltschützer und Greenpeace-Aktivist weder körperliche Risiken noch Gefahren jeder Art. Die Schönheit der Natur hält er dabei ebenso fest wie ihre Zerstörung durch Industrialisierung und Globalisierung. Seit einigen Jahren bewegt ihn mehr und mehr die Frage, wie der Mensch in und mit der Natur leben könnte, ohne sie auszubeuten und damit zu vernichten. Dafür reist er zu indigenen Völkern, die in so unwirtlichen oder unzugänglichen Regionen leben, dass sie vielleicht als einzige Menschen auf der Welt die Möglichkeit haben, noch nach ihren Traditionen zu leben. Doch sogar dort, an den Rändern der Welt, werden diese Lebensräume immer kleiner. Und wenn es eine Einsicht aus diesem Film gibt, dann ist es diese: Niemand auf der Erde bleibt von der Zivilisation verschont. Die Bilder, die hier zu sehen sind, könnten schon in 10 Jahren nicht mehr möglich sein.
 
Der profilierte Hamburger Filmemacher und Produzent Thomas Tielsch begleitet Markus Mauthe. Gemeinsam mit einem kleinen Team, zu dem Guides, Dolmetscher und manchmal auch Soldaten als Eskorte gehören, reisen sie in entlegene Berg- und Wüstenregionen nach Äthiopien und in den Südsudan, zu Seenomaden vor der malaysischen Küste und zu den indigenen Bewohnern des Mato Grosso mitten im Amazonas-Dschungel. Die Landschaftsbilder, die dort entstehen, sind oft von so berückender, fremdartiger Schönheit, dass sie gar nicht real erschienen, wäre da nicht der Fotograf, der überall herumkrabbelt und -klettert, um das beste Licht und den richtigen Blickwinkel zu finden. Doch hier geht es ebenso sehr um die Menschen wie um die Natur, die sie umgibt. Markus Mauthe zeigt die Menschen in ihrem Umfeld, die stolzen Rinderzüchter im Sudan, die den Tag mit der Pflege ihrer Tiere verbringen und ihre Kinder nach ihren Kälbern benennen, oder die Hausbootbewohner von Malaysia, die auf dem Ozean leben und landkrank werden können – schon die kleinen Kinder paddeln in selbstgebauten, winzigen Katamaranen herum. Ohne zu idealisieren und ohne jede Sozialromantik wird Markus Mauthe zum dokumentierenden Besucher, aber auch zum mitfühlenden Gast, der sich niemals anbiedert oder dazugehören will. Mit seiner in langen Reisejahren erprobten Weltläufigkeit, mit viel Humor und mit einem angenehm natürlichen Charme schafft er sich Freunde – die Sympathie überträgt sich problemlos auch auf die Kinoleinwand. Sein scharfer Blick hält alles fest. Ob im Omo-Tal in Süd-Äthiopien, im brasilianischen Urwald oder am Indischen Ozean: Die Globalisierung ist allgegenwärtig, Schulbildung und Berufschancen verkörpern dabei die positiven Aspekte, aber da ist auch die Einschränkung des Lebensbereiches in Form von riesigen Plantagen, für deren Bewässerung Flusswasser gestaut werden muss, das den indigenen Einwohnern fehlt. Landraub ist überall an der Tagesordnung. So werden Fluchtgründe geschaffen. In Brasilien brennt der Dschungel – das Problem ist bekannt, hier wird es umso deutlicher, wenn Indios mit beinahe rührend minimaler Ausrüstung versuchen, die Brände zu löschen. Manche Veränderungen sind durchaus ambivalent: Die Menschen sind stolz darauf, dass sie westliche Kleidung tragen, in Aluminiumtöpfen kochen, mit Motorrädern durch den Urwald knattern oder als Tauchlehrer arbeiten können. Einige wollten, viele mussten sesshaft werden. Für die meisten ist der Tourismus eine wichtige Erwerbsquelle. Manchmal scheint Markus Mauthe beinahe daran zu verzweifeln, zum Beispiel, wenn seine Fotomodelle ihren Kopfschmuck an andere weitergeben, damit sich möglichst viele Menschen ablichten lassen können, denn sie verlangen für jedes Foto Geld. Oder wenn einer der wenigen Xingu-Stämme, die sich absichtsvoll von der westlichen Zivilisation abgrenzen, den Wegzoll so erhöht hat, dass die Filmcrew sich die Fahrt dorthin nicht leisten kann. Doch meistens kann Markus Mauthe sich auf die Unterstützung und Mitwirkung der Porträtierten verlassen, ebenso wie diese sich auf ihn verlassen können. Er kann Öffentlichkeit schaffen, und im Fall der von einem Staudamm bedrohten Indios führt die Zusammenarbeit zum Erfolg. Oft ist allen Beteiligten der Spaß anzumerken, auch wenn der Profi den Amateuren die Kamera überlässt oder ihnen das Ergebnis seiner Arbeit zeigt. Markus Mauthes Zuneigung und sein Respekt gegenüber den Menschen in ihrer Umgebung stehen außer Frage – er liebt die Menschen und seine Arbeit.
 
Markus Mauthe benennt die Schuldigen – korrupte Regierungen, internationale Konzerne, aber auch pure Geldgier, doch das ist hier nicht das Hauptthema. Vor allem macht er sich durch seine Fotos zum Anwalt für die indigenen Gemeinschaften, die er besucht. Er versucht, in Bildern festzuhalten, was vielleicht bald verschwunden sein wird und zu großen Teilen bereits zerstört ist: eine unfassbare Vielfalt an Kulturen und Lebensweisen, Menschen, die im Einklang mit der Natur leben und vielleicht mit Unterstützung der Völkergemeinschaft vor dem Untergang bewahrt werden können. Dieses Ziel gibt er an das Publikum weiter. In atemstockend schönen Bildern, die unvergesslich bleiben.
 


Friedrichsbau Freiburg
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