Die Freiburger Independent Kinos in der Woche vom 06.03.2008 - 12.03.2008
Zunächst werden die Filme in recht einfachen Kartons vom Filmverleih
über eine Spedition in unserem Kino angeliefert.
Dies geschieht normalerweise in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, also
regelmäßig zum Programmwechsel.
In den gleichen Kartons werden die Filme dann auch wieder zurückgeschickt,
wenn sie aus dem Programm genommen worden sind.
In diesen Kartons liegen dann, je nach Filmlänge zwischen fünf
und sieben Filmdosen aus Kunststoff.
Jede Dose enthält einen Akt - also einen Teil des Films. Jeder Akt
ist ungefähr 600 Meter bzw. 20 Minuten lang.
Die Akte werden nun in der richtigen Reihenfolge - zusammengeklebt, so dass
ein kompletter Spielfilm schließlich ca. 3.000 Meter lang ist.
(Ganz korrekt ist eine Minute 35mm-Film 27 m lang.)
Gleichzeitig mit dem Zusammenkleben werden die einzelnen Akte und das Vorprogramm auf den sogenannten Filmteller aufgespielt. Die Filmvorführer nennen das "Filmaufziehen"
Das Filmmaterial heute besteht nicht mehr aus Zelluloid, sondern in der Regel aus Polyester. Damit sind die leidigen Probleme eines Filmrisses so gut wie nicht mehr vorhanden, weil Kopien aus Polyester praktisch nicht reißen. Allerdings ist die Reißfestigkeit von Polyester fast so hoch wie die von Stahl und kann im Falle einer Verwicklung erhebliche Schäden am Projektor verursachen, Umlenkrollen aus Betonwänden reißen oder gar einen Projektor umwerfen.
Die Filme werden nicht mehr von senkrechten Spulen abgespielt, sondern flach liegend von einem Teller - was mehrere große Vorteile bringt. Der Film liegt in voller Länge, also an einem Stück, auf dem Filmteller. Der Filmvorführer muss nicht mehr, wie in vergangenen Tagen jeden Akt abwechselnd mit zwei Projektoren vorführen.
Der Film muss auch nicht mehr zurückgespult werden, weil er über eine sogenannte Einsteckeinheit aus der Mitte des Tellers zum Projektor geführt wird. Vom Projektor aus wird der Film zurück auf den darüber bzw. den darunterliegenden Teller geführt und dort auf einem Ring wieder von außen nach innen gewickelt Nach Filmende werden nun Einsteckeinheit und Ring ausgetauscht, und der Film kann bei der nächsten Vorstellung ohne Zurückspulen gezeigt werden.
Dadurch, dass der Film auf der Außenkante und nicht Bild auf Bild liegt, reiben die Filmbahnen nicht so stark aneinander. Staub und Schmutz drücken sich nicht in den Film, so dass eine Kopie wesentlich länger in guter Qualität bleibt.
Der Film gelangt nun zum Projektor und in den Projektorkopf, wo das Licht durch den Film strahlt und das Bild auf die Leinwand projiziert wird.
Der Film bleibt ruckartig 24 mal pro Sekunde hinter dem Bildfenster stehen.
Die Lichtquelle ist ein Xenonkolben, der je nach Leinwandgröße mit bis zu 6000 Watt Leistung den Film durchleuchtet.
Durch eine Umlaufblende wird jedes Bild zweimal auf die Leinwand projiziert - also mit einer Bildfrequenz von 48 Hz.
Denken Sie jetzt aber bitte nicht, dass der teure 100-Hz-Fernseher im heimischen Wohnzimmer das besser kann. Während im Fernsehen 25 Halbbilder pro Sekunde zeilenweise nacheinander aufgebaut und bei 100 Hz einfach verdoppelt werden, projiziert das Kino 48 fix und fertige Bilder in höchster Auflösung. Das Ergebnis ist auch dem besten Fernseher haushoch überlegen.
Etwas tiefer am Projektorkopf wird nun über Lesegeräte der Ton bzw. der dts-Timecode abgetastet.
In sogenannten Racks neben dem Projektor befindet sich die umfangreiche Audiotechnik.
Die Prozessoren verwandeln zunächst die Signale vom Projektor in Audiosignale.
Mehrere Endstufen sorgen für den richtigen Sound im Kinosaal. Dabei wird der Digitalsound je nach Saalgröße mit bis zu 10.000 Watt verstärkt.
Soviel - in groben Zügen - zu dem, was hinter den kleinen Fenstern an der Saalrückwand geschieht.
Teller-System mit drei übereinanderliegenden Filmtellern
Filmteller mit Einsteckeinheit
Projektorkopf mit Cinemascope Objektiv im Vordergrund