Maudie


Regie: Aisling Walsh
Darsteller: Sally Hawkins, Ethan Hawke, Kari Matchett

100 Minuten | USA 2016 | ab 12
4. Woche
Ende der 30er Jahre lebt Maud (Sally Hawkins) im kanadischen Städtchen Marshalltown bei ihrer Tante. Dorthin wurde sie von ihrem Bruder abgeschoben, dem sie durch ihre schwere Arthritis eine Bürde war. Immer etwas hinkend bewegt sich Maud durch das Städtchen und hat sich durch ihr lebenslanges Außenseitertum in sich selbst zurückgezogen, was sie erst recht ungewöhnlich, einfach anders erscheinen lässt.
 
Ein Außenseiter ist auch Everett (Ethan Hawke), der in einem einsamen kleinen Haus lebt und vom Fischverkauf lebt. Ein rechter Misanthrop ist dieser grobschlächtige Mann, neigt zu Gewaltausbrüchen und will sich von niemandem sagen lassen, was er zu tun habe, wie er leben soll.
 
Unterschiedlicher könnten diese beiden Menschen kaum sein, doch die Not oder das Schicksal führen sie zusammen: Everett sucht eine Haushaltshilfe, Maud sieht in der Anstellung die Chance, endlich ein selbstständiges Leben zu führen. So zieht sie bei Everett ein, bewährt sich als Köchin und Putzfrau und geht nebenbei ihrer großen Leidenschaft nach: Dem Malen. Einfache Formen malt Maud erst auf die Wände des Hauses, bald auf kleine Holztafeln, klare Formen und Figuren, Alltagsszenen, Landschaften, Kunst, die im allgemeinen als naiv bezeichnet wird und die Maud Lewis zur nationaler Berühmtheit werden ließ.
 
Zeit ihres Lebens malte Lewis Variationen der immer gleiche Motive, mit denen sie hunderte meist kleiner Tafeln füllte. In der Realität wurde sie erst wenige Jahre vor ihrem Tod 1970 entdeckt, im Film beginnt dieser langsame Prozess deutlich früher. Doch es ist nicht der Erfolg von Maud Lewis, der Regisseurin Aisling Walsh speziell interessiert und auch nicht die Behinderung, die Lewis zu einer Außenseiterin machte. Was „Maudie“ erzählt, ist eine zarte, ungewöhnliche Liebesgeschichte, zwischen zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen kaum in der Lage sind, ihre Emotionen zu verbalisieren.
 
Maud, weil sie als etwas wunderliche Frau in ohnehin patriachalischen Zeiten zur Introvertiertheit quasi gedrängt wurde, Everett, weil er aus nicht weiter benannten Gründen eigenbrötlerisch ist und zur Aggression neigt. Grenzwertig kitschig und sentimental ist es bisweilen wie Walsh die langjährige Beziehung und spätere Ehe der beiden erzählt, in weiches Licht getaucht, von sanfter Folk-Musik unterlegt. Man mag hier an Filme wie „Grüne Tomaten“ denken, denn auch „Maudie“ neigt dazu, die gezeigte Welt zu verklären, die Konflikte der Beziehung zwischen Maud und Everett auf allzu beschauliche Weise aneinanderzureihen.
 
Doch andererseits ist gerade die Einfachheit der Erzählung die größte Stärke des Films, gerade in Kombination mit dem Hauptdarstellerduo Hawkins/Hawke. Letzterer ist zwar trotz aller Mühen viel zu gutaussehend und sympathisch um als grummeliger, bisweilen aggressiver Mann zu überzeugen, doch Hawkins ganz besonderer Charme, ihr stets verschmitzt wirkender Blick, der seit ihrem Durchbruch in „Happy-Go-Lucky“ zu ihrem Markenzeichen geworden ist, lassen auch ihre Maud so berührend wirken. Trotz aller Unbill, die sie im Laufe der Zeit erlebt - manche real erlebt, manche für diese Verfilmung ausgedacht und ausgeschmückt - bewahrt sie sich eine gewisse Unschuld, einen optimistischen Blick auf das Leben und die Welt.


Friedrichsbau Freiburg
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