In ihrem Dokumentarfilm WORK HARD PLAY HARD wirft Regisseurin Carmen
Losmann einen Blick auf die verschiedenen Bereiche, in denen das „Human
Ressource Management“ also die Pflege, Verwaltung und Optimierung der
Ressource Mensch den Arbeitsalltag großer Firmen bestimmt. Das beginnt
bei der Architektur. So haben die Architekten der neuen Unilever
Zentrale in der Hafencity Hamburg künstliche Freiräume mit
Kaffeemaschine geplant, in denen sich die Mitarbeiter zwangslos treffen
und unterhalten sollen. Der Hintergedanke: 80% aller Innovationen werden
angeblich in informellen Gesprächen im Betrieb gemacht.
Losmann erklärt und kommentiert nicht. In klaren, unterkühlten
Einstellungen lässt sie die Architekten zu Wort kommen und stellt deren
Erläuterungen Bilder einer Arbeitsversammlung, einer Kaffeepause oder
eines Teamgesprächs in der neuen Shopping-Mall-ähnlichen Zentrale
gegenüber. Dabei stellt sich beim Betrachter ein ambivalentes Gefühl
ein. Einerseits ist es ja durchaus gerechtfertigt, sich darüber Gedanken
zu machen, wie eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre
geschaffen werden kann, andererseits löst der totalitäre Anspruch,
Arbeiter und Angestellte durch bestimmte architektonische,
organisatorische oder psychologische Maßnahmen auf die jeweilige
Unternehmensphilosophie programmieren zu können, tiefes Unbehagen aus.
Das Unbehagen verstärkt sich immer mehr, umso länger man den Optimierern
und Implementierern bei der Arbeit zusieht und umso direkter sich die
Anstrengungen auf die Optimierung der Humanressource selbst beziehen. Da
werden Mitarbeiter in einem Assessment-Center minutiös ausgefragt und
erhalten Hinweise, wie sie ihre Fähigkeit und ihre Persönlichkeit zum
Besten der Firma verbessern können. Eine „Talent Management“ Datenbank
sammelt in manischer Detailversessenheit Informationen über die
Belegschaft und sortiert die Mitarbeiter bei Bedarf nach Wert. Und in
einem esoterisch angehauchten Abenteuerseminar werden Angestellte auf
einen Hindernissparcour geschickt, während der Chef ihr Verhalten am
Monitor beobachtet. Hinterher dürfen alle darüber meditieren, was sie
gelernt haben und in die Firma einbringen wollen.
Am kältesten und unbehaglichen aber wird es, als Losmann den
Unternehmensberatern über die Schulter schaut.
In immer gleichen
weissgrauen Konferenzräumen mit dem Charme von Joghurtbechern reden
frischfrisierte Anzugträger und –trägerinnen von „Change-Prozessen“,
„Visionen“, „Nachhaltigkeit“, „Kultur“, „Implementierung“ und
„Kennzahlen“ zum Zwecke der immerwährenden „Steigerung des Niveaus“. Die
Phrasen wirken leer und albern aber hinter ihnen verbirgt sich eine
Bedrohung: die fast schon wahnhafte Vorstellung eines perfekten Systems
an dessen Ende der perfekte Mitarbeiter steht.