WORK HARD PLAY HARD


Regie: Carmen Losmann
90 Minuten | Deutschland 2011 | 61. Woche
In ihrem Dokumentarfilm WORK HARD PLAY HARD wirft Regisseurin Carmen Losmann einen Blick auf die verschiedenen Bereiche, in denen das „Human Ressource Management“ also die Pflege, Verwaltung und Optimierung der Ressource Mensch den Arbeitsalltag großer Firmen bestimmt. Das beginnt bei der Architektur. So haben die Architekten der neuen Unilever Zentrale in der Hafencity Hamburg künstliche Freiräume mit Kaffeemaschine geplant, in denen sich die Mitarbeiter zwangslos treffen und unterhalten sollen. Der Hintergedanke: 80% aller Innovationen werden angeblich in informellen Gesprächen im Betrieb gemacht. Losmann erklärt und kommentiert nicht. In klaren, unterkühlten Einstellungen lässt sie die Architekten zu Wort kommen und stellt deren Erläuterungen Bilder einer Arbeitsversammlung, einer Kaffeepause oder eines Teamgesprächs in der neuen Shopping-Mall-ähnlichen Zentrale gegenüber. Dabei stellt sich beim Betrachter ein ambivalentes Gefühl ein. Einerseits ist es ja durchaus gerechtfertigt, sich darüber Gedanken zu machen, wie eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre geschaffen werden kann, andererseits löst der totalitäre Anspruch, Arbeiter und Angestellte durch bestimmte architektonische, organisatorische oder psychologische Maßnahmen auf die jeweilige Unternehmensphilosophie programmieren zu können, tiefes Unbehagen aus.

Das Unbehagen verstärkt sich immer mehr, umso länger man den Optimierern und Implementierern bei der Arbeit zusieht und umso direkter sich die Anstrengungen auf die Optimierung der Humanressource selbst beziehen. Da werden Mitarbeiter in einem Assessment-Center minutiös ausgefragt und erhalten Hinweise, wie sie ihre Fähigkeit und ihre Persönlichkeit zum Besten der Firma verbessern können. Eine „Talent Management“ Datenbank sammelt in manischer Detailversessenheit Informationen über die Belegschaft und sortiert die Mitarbeiter bei Bedarf nach Wert. Und in einem esoterisch angehauchten Abenteuerseminar werden Angestellte auf einen Hindernissparcour geschickt, während der Chef ihr Verhalten am Monitor beobachtet. Hinterher dürfen alle darüber meditieren, was sie gelernt haben und in die Firma einbringen wollen. Am kältesten und unbehaglichen aber wird es, als Losmann den Unternehmensberatern über die Schulter schaut.

In immer gleichen weissgrauen Konferenzräumen mit dem Charme von Joghurtbechern reden frischfrisierte Anzugträger und –trägerinnen von „Change-Prozessen“, „Visionen“, „Nachhaltigkeit“, „Kultur“, „Implementierung“ und „Kennzahlen“ zum Zwecke der immerwährenden „Steigerung des Niveaus“. Die Phrasen wirken leer und albern aber hinter ihnen verbirgt sich eine Bedrohung: die fast schon wahnhafte Vorstellung eines perfekten Systems an dessen Ende der perfekte Mitarbeiter steht.


ab 20.04.2012

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