MONEYBALL
Originalversion
Darsteller: Brad Pitt, Jonah Hill, Ken Medlock
133 Minuten | USA 2011 | 57. Woche
Baseballfilme stehen in den deutschen Kinos nicht gerade im Ruf,
in der Beliebtheit des Publikums weit oben zu rangieren. Wenn es einem
Film gelingen kann, die Begeisterung doch noch zu entfachen, dann ist es
"Die Kunst zu gewinnen", Bennett Millers erste Regiearbeit seit seinem
erstaunlichen Debüt "Capote", weil man kein Regelwerk beherrschen muss
und es auch gar nicht um Baseball an sich geht. Vielmehr ist es ein
entlarvender, immer etwas belustigter Blick auf das Geschehen hinter den
Kulissen - der "Social Network" des Sportfilms, der das Räderwerk der
Maschine Baseball auseinandernimmt und darin eine bemerkenswerte
Geschichte über einen Mann entdeckt, der sein ganzes Leben nie gelebt
hat als wäre es sein Eigenes, um nun bei der Durchsetzung einer
scheinbar verrückten Idee zu sich selbst zu finden.
Basierend auf dem Tatsachenroman von Michael Lewis, erzählt "Die Kunst
zu gewinnen" die wahre Geschichte von Billy Beane, einst eine große
Baseballhoffnung, die es nie zu etwas gebracht hat und nun als
Baseballmanager dazu verdammt ist, bei einem Team zu arbeiten, das mit
den Großen konkurrieren soll, dafür aber nur ein Budget zur Verfügung
hat, mit dem die Konkurrenz die Spesenkosten decken würde.
Die Oakland A's standen kurz vor einem großen Erfolg, nun droht der
Ausverkauf, das Team zerbricht. Und Beane muss eine neue Mannschaft
präsentieren, nur fehlen ihm die Mittel. Zufällig stößt er bei einem
Treffen mit den Cleveland Indians auf einen jungen Analysten, Peter
Brand, der Beane ein völlig neues System präsentiert, wie man
Mannschaften zusammensetzt: Nicht auf Bauchgefühl, Erfahrung und
extensives Scouting kommt es an, sondern einfach auf die Auswertung von
Computeranalysen. Gegen den Druck des eigenen Vereins drückt Beane die
Moneyball-Idee durch - und steht erst einmal allein da.
Einer gegen Alle - das ist der Stoff, aus dem große Filme gemacht
werden. "Die Kunst zu gewinnen" liefert Einblicke in die Führung eines
Baseballvereins, die der moderner Fußballvereine nicht unähnlich ist und
deshalb für Sportfans spannend sein sollte - und beschert dem Film eine
hinreißende zehnminütige Szene, in der Brad Pitt am Telefon mit drei
anderen Mannschaften jongliert, um seine Wunschspieler zusammen zu
bekommen. Aber ansonsten ist das nur Überbau für die Geschichte eines
Außenseiter, der sich gegen das System nicht nur auflehnt, sondern es
komplett verändern will. Und für Brad Pitt - in entspanntem, in jeder
Szene gewinnenden Robert-Redford-Superstar-Modus - ist es die
Gelegenheit für ein hinreißendes Porträt eines Mannes, der alles auf
eine Karte setzt und gegen alle Widerstände auf den gewählten Weg
vertrauen muss, weil es keine andere Alternative gibt. Jonah Hill ist
als dicker Nerd Brand der ideale Sidekick, sorgt für Humor und ist als
Neuling im Baseball Augen und Ohren des Publikums, die mit einer ihm
fremden Welt vertraut gemacht werden.
Das ist spannend, hat Herz und Humor und ausreichend Drama, um nachhaltig nachzuwirken.
"Gerade der Hauptdarsteller fällt durch seine beherzte, gleichzeitig aber reduzierte und fein nuancierte Darstellung" auf." DER SPIEGEL
ab 17.05.2012



