Es ist ein riskanter Plan und wieder jeder riskanter Plan so muss auch
dieser gründlich schief gehen. Eigentlich ist „schief gehen“ noch eine
ziemliche Untertreibung, denn was dem erfolgreichen Headhunter Roger
Brown (Aksel Hennie) widerfährt, ist die Überbietung des Worst Case
Szenarios in jeder nur erdenklichen Hinsicht. Das Mitleid hält sich
dennoch sehr in Grenzen, immerhin ist der stets perfekte gekleidete
Geschäftsmann ein eiskalter Karrierist und selbst schuld an dem
Schlamassel, in das er sich hineinbegeben hat. Alles beginnt mit der
Aussicht auf einen Millionen-Coup. Um seinen aufwändigen Lebensstil zu
finanzieren und seiner Frau Diana (Synnøve Macody Lund) jeden Wunsch
erfüllen zu können, raubt Roger gelegentlich seine Kunden aus.
Kunstdiebstähle sind seine Spezialität. Als er den holländischen
Geschäftsmann Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau) kennenlernt, erfährt
er, dass dieser im Besitz eines lange verloren geglaubten Gemälde von
Rubens ist. Für Roger bietet sich plötzlich die einmalige Gelegenheit
auf den Jackpot, der alle Geldsorgen auf einen Schlag lösen könnte.
Der Norweger Jo Nesbø zählt mit einer verkauften Auflage von über 11
Millionen Büchern zu den weltweit erfolgreichsten Thrillerautoren. 2008
erschien sein Roman „Headhunter“, der wochenlang auch in den deutschen
Bestsellerlisten zu finden war. Die nun vorliegende Kinoumsetzung
interpretiert die Geschichte als temporeiche, bisweilen herrlich absurde
Genreerzählung, die losgelöst von Glaubwürdigkeit und Logik erstaunlich
gut funktioniert. Es dauert nicht lange, bis die Handlung die Pfade
braver, skandinavischer Thrillerkost verlässt. Nesbøs Vorlage wird unter
Regisseur Morten Tyldum zu einem kleinen, dreckigen Noir, der mit sich,
seiner Hauptfigur und uns Zuschauern wenig Erbarmen kennt.
In „Headhunters“ fließt nicht nur reichlich Blut, es wird passend dazu
auch unablässig gelitten und gegen den eigenen Tod angekämpft. Bei
dieser mit fast schon sadistischer Freude zelebrierten Eskalation der
Gewalt gilt allein das Gesetz des Stärkeren (und des Cleveren). Wie
Roboter kämpfen sich der anfangs ziemlich überforderte Schlipsträger und
sein überaus gerissener Verfolger von einem Schlachtfeld zum nächsten.
Währenddessen gibt es kaum eine Gelegenheit, um einmal in Ruhe
durchzuatmen. Vor allem seinem Hauptdarsteller Aksel Hennie verlangt
Tyldum auch körperlich einiges ab. Hennie spielt den zunächst
aalglatten, kaum greifbaren Personalvermittler als eiskalten Playboy mit
Minderwertigkeitskomplexen. Dass er kleiner als seine Frau ist, passt
nicht so recht zu seinem männlichen Selbstverständnis.
Mit Kollateralschäden muss bei dieser Hetzjagd durch die norwegische
Einöde praktisch jederzeit gerechnet werden. Überhaupt ist „Headhunters“
wenig zimperlich. Was den Film dabei so unterhaltsam und auf eine
verquere Weise sogar sympathisch macht, ist sein spielerischer,
respektloser Umgang mit Genreregeln und filmischen Gesetzmäßigkeiten.
Tyldum ist sich bewusst, dass er die viel zitierte Schmerzgrenze gleich
mehrfach überschreitet. Er tut dies jedoch mit einem unübersehbaren
Augenzwinkern. Seine und Nesbøs Ambitionen liegen nicht in den Sphären
eines Stieg Larsson – mit dessen „Millennium-Trilogie“ teilt sich ihr
Film lediglich das Produzententeam – sondern in 90 Minuten spannender
Unterhaltung. Wem das zu wenig ist, sollte sich woanders umsehen.
Marcus Wessel