OmU

HEADHUNTERS

Im norwegischen Original mit Untertiteln


Regie: Morten Tyldum
Darsteller: Aksel Hennie, Synnøve Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau, Eivind Sander, Julie Olgaard

98 Minuten | Norwegen 2011 | ab 16
44. Woche
Es ist ein riskanter Plan und wieder jeder riskanter Plan so muss auch dieser gründlich schief gehen. Eigentlich ist „schief gehen“ noch eine ziemliche Untertreibung, denn was dem erfolgreichen Headhunter Roger Brown (Aksel Hennie) widerfährt, ist die Überbietung des Worst Case Szenarios in jeder nur erdenklichen Hinsicht. Das Mitleid hält sich dennoch sehr in Grenzen, immerhin ist der stets perfekte gekleidete Geschäftsmann ein eiskalter Karrierist und selbst schuld an dem Schlamassel, in das er sich hineinbegeben hat. Alles beginnt mit der Aussicht auf einen Millionen-Coup. Um seinen aufwändigen Lebensstil zu finanzieren und seiner Frau Diana (Synnøve Macody Lund) jeden Wunsch erfüllen zu können, raubt Roger gelegentlich seine Kunden aus. Kunstdiebstähle sind seine Spezialität. Als er den holländischen Geschäftsmann Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau) kennenlernt, erfährt er, dass dieser im Besitz eines lange verloren geglaubten Gemälde von Rubens ist. Für Roger bietet sich plötzlich die einmalige Gelegenheit auf den Jackpot, der alle Geldsorgen auf einen Schlag lösen könnte.

Der Norweger Jo Nesbø zählt mit einer verkauften Auflage von über 11 Millionen Büchern zu den weltweit erfolgreichsten Thrillerautoren. 2008 erschien sein Roman „Headhunter“, der wochenlang auch in den deutschen Bestsellerlisten zu finden war. Die nun vorliegende Kinoumsetzung interpretiert die Geschichte als temporeiche, bisweilen herrlich absurde Genreerzählung, die losgelöst von Glaubwürdigkeit und Logik erstaunlich gut funktioniert. Es dauert nicht lange, bis die Handlung die Pfade braver, skandinavischer Thrillerkost verlässt. Nesbøs Vorlage wird unter Regisseur Morten Tyldum zu einem kleinen, dreckigen Noir, der mit sich, seiner Hauptfigur und uns Zuschauern wenig Erbarmen kennt.

In „Headhunters“ fließt nicht nur reichlich Blut, es wird passend dazu auch unablässig gelitten und gegen den eigenen Tod angekämpft. Bei dieser mit fast schon sadistischer Freude zelebrierten Eskalation der Gewalt gilt allein das Gesetz des Stärkeren (und des Cleveren). Wie Roboter kämpfen sich der anfangs ziemlich überforderte Schlipsträger und sein überaus gerissener Verfolger von einem Schlachtfeld zum nächsten. Währenddessen gibt es kaum eine Gelegenheit, um einmal in Ruhe durchzuatmen. Vor allem seinem Hauptdarsteller Aksel Hennie verlangt Tyldum auch körperlich einiges ab. Hennie spielt den zunächst aalglatten, kaum greifbaren Personalvermittler als eiskalten Playboy mit Minderwertigkeitskomplexen. Dass er kleiner als seine Frau ist, passt nicht so recht zu seinem männlichen Selbstverständnis.

Mit Kollateralschäden muss bei dieser Hetzjagd durch die norwegische Einöde praktisch jederzeit gerechnet werden. Überhaupt ist „Headhunters“ wenig zimperlich. Was den Film dabei so unterhaltsam und auf eine verquere Weise sogar sympathisch macht, ist sein spielerischer, respektloser Umgang mit Genreregeln und filmischen Gesetzmäßigkeiten. Tyldum ist sich bewusst, dass er die viel zitierte Schmerzgrenze gleich mehrfach überschreitet. Er tut dies jedoch mit einem unübersehbaren Augenzwinkern. Seine und Nesbøs Ambitionen liegen nicht in den Sphären eines Stieg Larsson – mit dessen „Millennium-Trilogie“ teilt sich ihr Film lediglich das Produzententeam – sondern in 90 Minuten spannender Unterhaltung. Wem das zu wenig ist, sollte sich woanders umsehen.

Marcus Wessel


ab 26.07.2012

Seite drucken