Mallory (Gina Carano) ist Nahkampf-Expertin und arbeitet für die
Sicherheitsfirma von Kenneth (Ewan McGregor). Zu deren Auftraggebern
zählt regelmäßig die US-Regierung – so wie in Barcelona, wo Mallory und
ihr Team einen entführten chinesischen Journalisten befreien. Danach
überredet ihr Chef sie zu einem weiteren Job, für den sie sich als
Ehefrau des britischen Kollegen Paul (Michael Fassbender) ausgeben soll.
Bald merkt Mallory: Ziel dieses Auftrages ist eine Liquidierung – und
zwar ihre eigene. Gehetzt von Polizei und Profi-Killern versucht sie,
die Hintermänner zur Rechenschaft zu ziehen. Wie es scheint, steckt
Kenneth mit ihnen unter einer Decke.
Ohne Frage begeistert "Haywire" mit einzelnen Sequenzen. Vor allem
Action-Fans dürften mit der Zunge schnalzen, wenn Mallory aus
aussichtsloser Lage aus einem von der Polizei umstellten Hotel flieht –
über Dächer kletternd, durch Treppenfluchten hetzend, unterwegs einige
bis an die Zähne bewaffnete Spezialkräfte verprügelnd. Vor allem der
Nahkampf zwischen Gina Carano und Michael Fassbender bleibt durch seine
brachiale Gewalt und Kraft im Gedächtnis. In dieser Sequenz gelingt es
dem Film, herkömmliche Action-Ware zu transzendieren und einem Kampf um
das nackte Überleben wieder eine existenzielle Dimension zu geben.
Der Rest des Films aber wirkt sehr unausgeglichen. Die unnötig
komplizierte Erzählstruktur nimmt der Erzählung Fahrt, die
Rahmenhandlung – während einer wilden Flucht im Auto erzählt Mallory
einem völlig Fremden ihre Geschichte – wirkt unglaubwürdig. Die prallen
Action-Szenen gehen mit diesem Rest des Films keine rechte Verbindung
ein, sie bleiben ein Fremdkörper. Dass "Haywire" so unorganisch wirkt,
liegt sicher zum Teil an Gina Carano, eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin,
die hier ihre erste Hauptrolle spielt. Sie vermag ihrer Figur zwar eine
überraschende Wärme und Tiefe zu geben. Hier zahlt sich Soderberghs
Erfahrung in der Arbeit mit Laiendarstellerinnen aus – er arbeitete bei
seinem Film "The Girfriend Experience" mit der Porno-Darstellerin Sasha
Grey. In längeren Dialogszenen stößt Carano dann aber deutlich an ihre
Grenzen, denn der Preis für ihr konzentriertes Spiel ist eine gewisse
Ungelenkigkeit, die im starken Gegensatz zu ihren körperlichen
Fähigkeiten steht. Auch verliert sich Soderberghs Regie in leeren
stilistischen Spielereien, vermag es aber nicht, einer schon so oft
erzählten Geschichte neue Aspekte abzuringen. Dass hier eine Frau die
Heldin ist, erscheint als Innovation dann doch zu dünn – und ein
feministischer Rache-Thriller ist "Haywire" nun wirklich nicht.